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Peter Stamm: Agnes (Rezension)

“Agnes” ist das Buch, welches ich mir bei der Aktion Lesefreunde am Welttag des Buches als Buchpaket aussuchte. Ich hatte es vorher nicht gelesen und fand die Inhaltsangabe sehr spannend, die eine Liebesgeschichte versprach, die in doppelter Hinsicht erzählt werden sollte. Jetzt war ich endlich mal in der Stimmung dazu, mir selbst ein Bild von “Agnes” zu verschaffen.


Kurzinfos zum Buch

Veröffentlicht:1998
Verlag: Fischer
Seitenzahl: 160
ISBN: 3596179122
Preis: 8.95
Ausgabe zum Welttag des Buches

 

Darum geht es:

“Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält.”

© Klappentext: Fischer Verlag

 

Meine Bewertung:

Auf den ersten Blick scheint “Agnes” eine Geschichte über die Beziehung zwischen zwei Menschen zu sein. Während der gesamten Erzählung steht diese Beziehung im Vordergrund und alles, was diese in der Wirklichkeit rahmt und streift, wird nur recht nebulös umrissen. Im Grunde scheint dieses Buch eine Charakteristik einer Liebesbeziehung zu sein. Die beiden Personen, welche diese Partnerschaft gründen, werden sehr genau dargestellt, sodass man als Leser einen tiefen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der beiden (ein Schweizer Autor, der in Chicago für die Recherche eines weiteren Buches gereist ist und die junge Physikerin Agnes) bekommt.

Agnes wird als eine sehr ängstliche, nachdenkliche Person beschrieben, die – so hatte ich den Eindruck – vielen Dingen sehr negativ zugewandt ist und mehr ablehnt, als annimmt. Ihr Wesen erschien mir über weite Strecken sehr schwermütig und traurig. Ihr Freund, den sie zu Beginn des Textes in der Bibliothek kennenlernt und aus dessen Perspektive das Buch erzählt ist, beschreibt sie als unergründlich und schwer interpretierbar. Seine Gefühle werden intensiver, als er sie jemals erlebt hat. Das gründet sich auch darauf, dass sie ihn darum bittet, eine Geschichte über sie selbst zu schreiben. Recht schnell bemerkt man als Leser, dass sich die Phantasie einen Zugang zur Wirklichkeit verschafft und mehr Einfluss auf sie ausübt, als ihr gut tut. Immer mehr wird ihre Beziehung von der Geschichte verändert.

Doch nicht nur die Veränderung ihrer Liebesbeziehung wird thematisiert: Im Hintergrund schleicht der Tod um die beiden Akteure. Bereits mit dem ersten Satz “Anges ist tot”, zeigt er sich und während der gesamten Handlung werden immer mal wieder Fragen aufgeworfen, die ihn stark berühren. Insgesamt erhält der Text damit etwas Dunkles, und etwas von Schuld behaftetes. Dass die Beziehung der beiden nicht im Glück endet, verspricht schon der erste Satz, deswegen sei nicht zu viel verraten, dass Agnes am Ende des Buches verschwindet – mit dem Ende der Geschichte, die der männliche Charakter über sie schreiben sollte. Somit schließt sich der Kreis, denn es wird klar, dass das gemeinsame Erstellen dieser Geschichte die Beziehung zerbrechen ließ.

Interessant ist dieses Buch deswegen, um den Verlauf ihrer Beziehung nachzuvollziehen und diese Gefühle zu spüren, die beide Figuren umgeben. Trotz der relativ wenigen Seiten  ist es Peter Stamm gelungen, ein sehr komplettes Bild über beide Figuren zu erschaffen. Zu meinen Favoriten kann ich Agnes jedoch nicht stellen, denn eine seltsame Distanz stellte sich zwischen die Charaktere und mich und obwohl man sich sehr nahe kam, war es mir nicht möglich, wirklich Sympathie – auch wenn es nicht immer darum geht – zum Erzähler aufzubauen. Es bleibt für mich als kalter Text in Erinnerung, der aber nichts desto trotz sehr tiefgründig und maßgeschneidert erzählt ist.

 

Fazit:

“Agnes” handelt von der Endlichkeit von Liebe. Die Beziehung beider Hauptfiguren verändert sich durch die Geschichte, die der männliche Protagonist über Agnes schreibt. Obwohl das Buch auf den ersten Blick wie ein Liebesroman anmutet, werden immer wieder Fragen nach dem (Sinn des) Leben(s) aufgeworfen: Was geschieht mit uns nach dem Tod? Wonach streben wir in der Endlichkeit unserer Existenz? Zugleich wird dem Leser durch den sehr klaren und schwunglosen Schreibstil vor Augen geführt, welche Macht unsere Gedanken auf unser Verhalten und die Beziehung, die wir pflegen, haben.

 

Quelle: http://www.lesewiese.net/?p=1914