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Stephan M. Rother: Öffne deine Seele

Öffne deine Seele (German Edition) - Stephan M. Rother

Durch die wunderbare Überarbeitung von Lovelybooks, die meiner Meinung nach absolut gelungen ist, bin ich beim Stöbern zufällig auf die Leserunde zum zweiten Thriller von Stephan M. Rother gestoßen. Ihr erinnert euch vielleicht noch an meine Rezension zum Auftakt von ihm Ich bin der Herr deiner Angst. Dieses Buch hatte mir wahnsinnig gut gefallen und es war klar, dass ich mir sofort den Nachfolger besorgen musste, als ich von seiner Veröffentlichung erfuhr.

 

 

Kurzinfos zum Buch

Veröffentlicht: 1. März 2013
Verlag: rororo
Seitenzahl: 512
ISBN: 3499259869
Preis: 9.99 Euro (Taschenbuch)

>> Zum Verlag
 

Darum geht es:

Im schwülen Hamburger Sommer lauert auf das Ermittlerteam um Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs ein Mörder, der es auf die Seele des Menschen abgesehen hat. Im Hamburger Dahliengarten treibt in einem Wasserbecken zwischen den Seerosen die Leiche eines jungen Mannes, der Presse und Öffentlichkeit gut bekannt ist: Er ist der Sohn einer der einflussreichsten Familien der Stadt: Falk Sieverstedt. In mitten dieser Aufmerksamkeit, die ihm durch Einfluss und Reichtum seiner Herkunft zu Teil wird, ist er auf der Suche nach sich selbst. Sein Weg führt ihn zur Reality-Live-Fernsehsendung „Second Chance“, in der er anonym seinen Selbstmord ankündigt. War es wirklich Selbstmord? Als schließlich Hannah verschwindet, wird der Fall persönlich.

 

Meine Bewertung:

 

„Vollständige Transparenz erreicht am Ende nur eines: Sie beraubt die Welt ihres Zaubers.“

Im Nachwort des Autors

 
Transparenz und das Sich-Öffnen in aller Öffentlichkeit ist das Anliegen der Reality-Sendung um den omniösen Moderator Marius. Verzweifelte Menschen rufen ihn an, auf der Suche nach dem letzten für sie möglichen Weg mit ihren Schwächen und Fehlern zurecht zu kommen. Marius Ratschläge für seine Freunde sind manchmal sehr hart und zynisch, sodass man schnell auf die Idee kommt, ein Selbstmord könnte unterstützt durch Marius Worte nicht fern liegen. Tatsächlich weist bei dem Tod von Falk Sieverstedt alles auf Selbstmord hin, vor allem weil er ihn in der Sendung als „Felix“ angekündigt hatte. Die Ermittlungen stellen die gute kollegiale Beziehung zwischen Hannah Friedrichs und Jörg Albrecht auf die Probe. Zwischen ihnen stehen viele unausgesprochene Dinge und Selbstverständlichkeiten. Dass Kommunikation in Beziehungen jedoch unverzichtbar ist, merkt Hannah auch gegenüber ihrem Ehemann. Und doch finden beide keinen Weg sich voreinander zu öffnen.

Der Thriller stellt aufgrund seiner Thematik, die wirklich ziemlich gut umgesetzt wurde, vor allem zwischenmenschliche Beziehungen in den Vordergrund. Die bereits in Teil 1 sehr ausführlich dargestellten Charaktere gewinnen im zweiten Buch erneut an schärferen Konturen. Ihre Schwächen, Stärken, Ängste und innersten Gefühle offenbaren sich vor dem Leser, der sich wunderbar mit ihnen auseinandersetzen kann. So fällt mir die Identifikation mit Hannah sehr leicht, die mittlerweile eine meiner Lieblingsfiguren ist. Wie so viele Personen in dem Buch lernt sie während der Ermittlungen viel über sich selbst, öffnet dem Leser, aber nicht ihrem Umfelds ihre Seele. Diese sehr intime Beziehung zu den Figuren ist einer der Pluspunkte, die ich dem Buch geben kann.

Der Fortsetzungsthriller lebt außerdem von ungeheurer Spannung. Ich war unfähig das Buch wegzulegen und wenn ich es doch mal musste, war ich gedanklich immer noch vertieft. Die Spannung entsteht vor allem aufgrund der mysteriösen Atmosphäre, die Marius umgibt, und der sich den Ermittlungen nicht auf normalem Wege zur Verfügung stellt. Zudem treibt auch das Verschwinden von Hannah Spannung und Handlung voran. Unterbrochen wird im ersten Teil die Erzählung der Vorkommnisse durch sogenannte Zwischenspiele, welche das Wesen der Sendung „Second Chance“ wiedergeben, und für den Leser eine Möglichkeit sind, die Hintergründe des Mordes zu durchschauen. Dass ich trotzdem nicht in der Lage war, die richtigen Schlüsse zu ziehen, lag auch an der geschickten Streuung von Hinweisen, die die Identität von Mörder und Drahtziehern verschleierten. Und wie im ersten Buch auch, ist es wohl die persönliche Auseinandersetzung mit den Ermittlern, die vom Mörder ablenken.

Neben den Charakteren und der herausragenden Spannung, ist meiner Meinung nach ein wirklich großer Pluspunkt für die Reihe, dass sich einem Thema mit großer Tiefgründigkeit genähert wurde. Transparenz, derer wir uns manchmal erwehren, vor allem wenn es um Überwachung und Datenkontrolle geht, derer wir uns manchmal aber auch gerne persönlich aussetzen, ist auf jeden Fall ein Thema, mit dem sich jeder auseinandersetzen sollte. Dass dem Leser immer offen bleibt, sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht die Meinung des Autors aufgezwungen wird, ist mir sehr wichtig. Stephan M. Rother schafft es, die Themen gut in die Handlungen einzuweben und diesen Spielraum für eigenes Nachdenken zu schaffen.

 

Fazit:

Für mich gehört die Reihe um Albrecht und Friedrichs immer noch zu meiner liebsten Thrillerserie (die ja auch erst seit dem 2. Buch eine Serie ist). Der vielversprechende Anfang in „Ich bin der Herr deiner Angst“ findet in „Öffne deine Seele“ seine Fortsetzung und ist an Spannung und Tiefe kaum zu übertreffen. Realistische Figuren, die man lieben und ablehnen kann, Fälle, die Figuren und Leser an ihre Grenzen bringen und zum Nachdenken anregen; und Spannung, die einen fesselt und ein Herzschlagfinale bietet. Was will man mehr? Thrillerfans dürfen an diesem Autor auf jeden Fall nicht vorbei gehen. Und ich warte jetzt neugierig und gespannt, was der 3. Fall für alle bereithalten wird.

 
5 von 5 Bewertungskatzen

Quelle: http://www.lesewiese.net/?p=5830