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Dave Eggers: Ein Hologramm für den König

Die Finanzkrise rückt einmal mehr in den Blickpunkt und bietet großes Potential für Romane mit traurigen Helden dieser Krise. Auch wenn es in „Ein Hologramm für den König“ nicht unbedingt um die Finanzkrise als solche, sondern vielmehr um die Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft geht, ist der Held im Mittelpunkt ein Trauriger.

 

 
Ein Hologramm für den König

Kurzinfos zum Buch

Veröffentlicht: 14. Februar 2013
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seitenzahl: 352
ISBN: 3462045180
Preis: 19.99 Euro (Geb. Ausgabe)

>> Zum Verlag
 

Darum geht es:

Für den Amerikaner Alan Clay bietet das Millionenprojekt des saudischen Königs „KAEC“ (King Abdullah Economic City) die Möglichkeit, einen guten Abschluss zu erzielen. Alan ist Consultant und soll in der geplanten High-Tech-Stadt in Saudi-Arabien seinem Unternehmen den IT-Ausbau sichern. Als er sich mit einem kleinen Team junger Experten schließlich vor Ort einfindet, um die entscheidende Präsentation vor König Abdullah abzuhalten, ist von der Stadt noch nicht viel zu sehen. Während er auf die verzögerte und unsichere Ankunft des Königs wartet, zieht sein bisheriges Leben noch einmal vor seinem inneren Auge vorbei.

 

Meine Bewertung:

 
Alan Clay hat mit seinen 54 Jahren schon einen großen Teil seines Lebens erlebt. Er ist geschieden, hat eine Tochter, die studiert. Er hat verschiedene Unternehmungen in den Sand gesetzt und eine Menge Schulden. Trotz allem geht er voller Optimismus nach Saudi Arabien, hat sich für diesen Auftrag seiner Meinung nach auch optimal vorbereitet. Voller Neugierde und Vorfreude auf die King Abdullah Economic City, deren Entstehung für viele Jahre geplant ist, findet sich Alan in einem spärlichen Zelt ohne Klimaanlage oder WLAN wieder. Die Ankunft des Königs ist ungewiss, verschiebt sich jeden Tag, manchmal sogar um eine ganze Woche. So bleibt Alans Aufenthalt mit seinem jungen Expertenteam auf Dauer ungewiss. Nun ist die erste Eigenschaft, die ich an Alan kennenlerne ausgerechnet eine, die ich absolut furchtbar finde: Unpünktlichkeit. Er schafft nicht den Bus, den das Team gemeinsam zum Veranstaltungsort der Präsentation transportieren soll. So kommt er mit einiger Verspätung und einer neuen Bekanntschaft (Yousef, der Taxifahrer) vor Ort an. Auch wenn das am Ende egal ist, denn der König kommt an diesem Tag nicht, fällt mir Alan, mit dem ich eine ganze Weile verbringen soll, gleich negativ auf.

Mit der Unpünktlichkeit ist es nicht getan. Während er sein Leben Revue passieren lässt – angestoßen von Gesprächen mit Yousef, der Bekanntschaft mit Hannah, die in der KAEC arbeitet, oder durch sein Geschwulst, was er in der Nähe seiner Wirbelsäule aufgespürt hat – zeigt sich, das Alan in seinem Leben durch eigenes Verschulden oder Pech, einige Dinge nicht auf die richtige Spur bringen konnte. So hat er dank der Globalisierung als Manager des renommierten Fahrradherstellers Schwinn an China verloren, ein Unternehmen in den Sand gesetzt, und dank eines eigenen Unternehmenskonzeptes zur Herstellung von Fahrrdäern massenhaft Schulden angehäuft. Ob er das Semester seiner Tochter bezahlen kann, hängt von dem Auftrag in Saudi Arabien ab. Alan gibt sich während seines Aufenthalts im Wüstensand einiger Träume hin. In KAEC zu wohnen ist einer davon. Den Auftrag vom König zu bekommen ein anderer. Und während er vor sich hin sinniert, erzählt er einige Geschichten seines Lebens, die ich unfassbar halte. Einerseits, weil sie an sich von Übermut, Leichtsinnigkeit und Voreiligkeit gezeichnet sind – und das in Situationen, die stark mit verantwortungsbewusstem Handeln zusammenhängen. Andererseits weil ich stets das Gefühl habe, dass er aus seinen Fehlern, die ihn in seine jetzige Situation gebracht haben, nicht gelernt hat. Die Naivität mit der er in Saudi Arabien Erfolg zu glauben hofft, ist für mich unverständlich. Überhaupt ist mir seine ganze Person ein einziges Rätsel. Er betrachtet sich als Opfer der Globalisierung, als Opfer seines Geschwulstes und seines Lebens, anstatt seinen eigenen Anteil daran zu suchen. Er unterwirft sich bedauernd und bedauernswert seinen Krisen, anstatt sie aktiv anzupacken. Er ist ein Träumer, der auf der Nase gelandet ist und liegen bleibt. Zudem ändern sich seine Stimmungen von Hoch zu Tief, dass es eine wahre Freude ist. Plötzlich ist er hoffnungsfroh, fühlt sich aktiv und fit. In der nächsten Stunde verliert er jeglichen Lebensmut, sieht sich am Ende seiner Lebenstage angelangt. Irgendwo ist das wohl bei seinen Krisen begreifbar. Für mich jedoch auf Dauer kaum auszuhalten.

Das Buch zeichnet wirklich nach, was die Globalisierung mit Menschen anrichten kann. Es kann in diesen Zeiten auch nicht jeder ein Held sein. Anpassung gehört dennoch zu den wichtigsten Eigenschaften, die Individuen durch die Evolution mitbekommen haben. Diese Anpassung fehlt Alan völlig. Statt auf den fahrenden Zug aufzuspringen, lässt er sich von ihm überfahren.

 

Fazit:

Ich hatte mir in der Tat von diesem Buch mehr erhofft. Womöglich hatte die Hauptfigur einen großen Anteil an meiner Enttäuschung. Das bedauernswerte und bemitleidenswerte Verhalten des Alan Clay, der in Saudi Arabien trotz aller Lebenskrisen den Geschäftsabschluss seines Lebens zu machen gedenkt, hat mich irritiert und angestrengt. Es ist ein Buch, bei dem man schon von Anfang an merkt, auf welches Ende es zusteuert. Nichts desto trotz führt es auf jeden Fall vor Augen, was Globalisierung alles mit dem Leben eines Menschen anstellen kann.

 
3 von 5 Katzen

Quelle: http://www.lesewiese.net/?p=5823